Operative Therapie

 

 

Arthroskopische Operationen

Die Arthroskopie oder Gelenkspiegelung ist ein etabliertes und sehr häufig druchgeführtes operatives Verfahren bei Gelenkserkrankungen in Teil- oder Vollnarkose.

Durch einen etwa fünf Millimeter langen Hautschnitt wird das Arthroskop - eine Staboptik - eingeführt, mit der das gesamte Gelenk von innen inspiziert werden kann. An das Arthroskop werden zusätzlich zwei Schläuche angeschlossen. Durch einen Schlauch wird sterile Flüssigkeit in das Gelenk eingebracht, der andere dient zum Absaugen der Flüssigkeit. Das mit der Spülflüssigkeit aufgefüllte Gelenk kann dann über die am Arthroskop aufgesteckte Minikamera durchleuchtet und bis ins kleinste Detail betrachtet werden.

Das Verfahren ermöglicht eine genaue Untersuchung und Beurteilung der inneren Gelenkstrukturen. Ziel des Eingriffs ist die bestmögliche Wiederherstellung der zerstörten Oberflächen, bzw. die Entfernung störender Anteile. Das Gelenk wird während der Arthroskopie ständig durchspült, wodurch abgefallene Teile des Knorpels und zerfallende Zellen automatisch entfernt werden.

Da es sich bei der Arthroskopie um einen minimal invasiven, komplikationsarmen Eingriff handelt, werden die meisten arthroskopischen Operationen heute ambulant durchgeführt. Der postoperative Schmerz ist meist gering und die Arbeitsunfähigkeit von kurzer Dauer. Direkt am Folgetag sollte der Patient mit physiotherapeutischen Übungen beginnen, um schnell die ursprüngliche Funktionstüchtigkeit wieder aufzubauen.

 

 

Kniegelenk

Symptomatische Eingriffe Lavage

Spülung Während einer Arthroskopie wird das Gelenk stetig durchspült. Abgefallene Teile des Knorpels und zerfallende Zellen, die Entzündungen verursachen können, werden herausgespült. Diese Begleitmaßnahmen können bei einer aktivierten Arthrose schmerzlindernd wirken.

Meniskusteilentfernung, Meniskusnaht Meniskusrisse sind in der Regel unfallbedingt (Verdrehung) oder degenerativer Natur (Verschleiß). Häufig bestehen keine Schmerzen oder Einschränkungen.Nach einer in Massachusetts durchgeführten Studie zeigten sich bei 23% der Teilnehmer Meniskusrisse ohne Kniebeschwerden. Folglich muss nicht jeder Meniskusriss operativ versorgt werden. Die Behandlungsstrategie ist im Wesentlichen abhängig vom Alter des Betroffenen, seiner Sportlichkeit, sowie der Schmerzhäufigkeit und Schmerzintensität. Symptome für einen gerissenen Meniskus können zusätzlich auftretende Einschränkungen der Kniegelenksbeweglichkeit sein. Vor einer Operation sollte die Diagnose durch eine genaue körperliche Untersuchung gestellt, und durch eine MRT-Untersuchung bestätigt werden. Bei jüngeren Patienten mit frischen (Sportverletzung), kapselnahen Einrissen Bei jüngeren Patienten mit frischen (Sportverletzung), kapselnahen Einrissen ist eine Meniskusnaht mit so genannten resorbierbaren Materialien zu empfehlen. Sie hat die beste Prognose, ist als kleiner Wermutstropfen jedoch mit einer längeren Rehabilitationsphase verbunden, weil das operierte Gelenk vorübergehend in einer Streckschiene ruhig gestellt werden muss. Die häufigere Operationsvariante ist die arthroskopische Meniskusteilresektion mit Entfernung des gerissenen Anteils. Danach ist unter krankengymnastischer Therapie eine frühzeitige Belastung und Mobilisation erlaubt.

 

Knorpelshaving, Chrondoplastik

Mit Hilfe motorgetriebener Mini-Fräsen - so genannte Shaver - werden Knorpelauffaserungen, -lappenbildungen und –ablösungen entfernt. Zusätzlich werden verbleibende Knorpelränder geglättet. Das Shaving wird in der Regel immer zusammen mit einer Spülung durchgeführt.

 

Gelenkdébridement, "Gelenktoilette"

Das Débridement umfasst die Verfahren der Spülung und des Shaving mit einer zusätzlichen Glättung eingerissener Meniskusränder. In manchen Fällen werden außerdem störende Osteophyten entfernt und/oder eine partielle Synovektomie durchgeführt.

 

Knochenmarkstimulierende Techniken

Diese Techniken dienen der Bildung von Ersatzknorpelgewebe. Wird der Knochen unter dem zerstörten Knorpel gezielt beschädigt, kann sich durch einen Transformationsprozeß des einfließenden Blutes Ersatzknorpelgewebe bilden. Dieses nennt der Mediziner Faserknorpel. Es ist qualitativ minderwertiger als der ursprüngliche Gelenkknorpel, aber besser als gar kein Knorpelgewebe. Diese Operationsverfahren eignen sich allerdings nur bei lokal begrenzten Knorpelschäden.

 

 

Schultergelenk

Aus unterschiedlichen Gründen (Unfallfolgen, Gelenkverschleiß, Sehnenverschleiß, Überlastung, Schleimbeutelreizung) können schmerzhafte Bewegungseinschränkungen am Schultergelenk auftreten. Die anatomische Schwachstelle ist der so genannte subacromiale Raum, der sich zwischen dem Acromion (Schulterhöhe) und dem Oberarmkopf befindet. In diesem Raum befindet sich eine Sehnenplatte (Rotatorenmanschette), die für Drehbewegungen und Armabspreizung verantwortlich ist. Eine Verengung des subacromialen Raumes kann zu einem schmerzhaften Reiben der Rotatorenmanschette führen (Impingementsyndrom). In der Folge können zusätzlich eine Bursitis (Schleimbeutelentzündung) und Verkalkungen (Kalkschulter) bis hin zur frozen shoulder (Schultersteife) auftreten.

Eine operative Therapie sollte erst erwogen werden, wenn die konservativen (nicht operativen) Maßnahmen, die breitgefächert zur Verfügung stehen, nicht zum erwünschten Ziel einer schmerzfreien Beweglichkeit führen. Diese sollte nach Ausbruch der Krankheit innerhalb von 3 Monaten erreicht werden.

 

Brisement forcé

Bei Vorliegen einer Schultersteife wird das betroffene Gelenk in Narkose vorsichtig passiv durch bewegt (Narkosemobilisation), um Kapselverklebungen zu lösen. In der Regel folgt im Anschluss eine arthroskopische Gelenkspülung).

 

arthroskopische subacromiale Dekompression, Acromioplastik

Ziel der Operation ist die Erweiterung des subacromialen Raumes (knöcherne Enge zwischen der Schulterhöhe und dem Oberarmkopf), damit die Sehnenplatte ohne Hindernis gleiten kann.

Hierzu wird eine Präzisionsfräse eingebracht, mit der so genannte Osteophyten (knöcherne Anbauten) vom Schulterdach und gegebenenfalls auch vom Schultereckgelenk (Verbindung zwischen Schulterdach und Schlüsselbein) millimeterweise abgetragen werden, so dass eine glatte, reibungsfreie Unterfläche entsteht. Durch die vorhandene Spülsaug-Vorrichtung werden die anfallenden Gewebspartikel entfernt.

 

Auch Verkalkungen können auf diesem Weg beseitigt und ausgespült werden.

Der chronisch entzündete Schleimbeutel wird im Rahmen eines solchen Eingriffs immer entfernt. Er wächst innerhalb der nächsten Wochen reizfrei nach.

Postoperativ sollte die ersten Tage und vor allem nachts eine Schulterbandage getragen werden. Bereits einen Tag nach der Operation startet die frühfunktionelle Krankengymnastik. Nach erfolgter Narkosemobilisation kommt zusätzlich eine häuslich verordnete Motor-Bewegungsschiene zum Einsatz.

 

 

Hand

 

Karpaltunnelsyndrom

Hierbei handelt es sich um ein Nervenengpass-Syndrom im Bereich des Handgelenkes. Der Karpaltunnel wird von knöchernen Teilen des Handskeletts (Handwurzelknochen), sowie einem breiten, derben Band (Retinaculum flexorum) gebildet, welches das Dach des Tunnels bildet. Durch den Karpaltunnel verlaufen die Beugesehnen und der so genannte Nervus Medianus.

Bei einer Einengung des Karpaltunnels, z. B. durch Verletzung, Gewebsschwellung, Überlastung oder Entzündungen wird der Nerv durch Druck geschädigt.

 In der Folge treten Schmerzen in der Hand auf, die auch in den Arm ausstrahlen können. Die begleitenden Gefühlsstörungen betreffen meist nur die ersten drei Finger. Im fortgeschrittenen Stadium sind Beeinträchtigungen der Feinmotorik und Muskelschwund des Daumenballens möglich.

Die Diagnose wird durch eine neurologische Untersuchung (NLG, Messung der Nervenleitgeschwindigkeit) gesichert.

In schweren Fällen wird eine operative Druckentlastung erforderlich, die in Teil- oder Vollnarkose ambulant durchgeführt werden kann. Dabei wird das Retinaculum flexorum komplett durchtrennt. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und ist komplikationsarm.

Die Nachbehandlung ist frühfunktionell mit selbstständigen Bewegungsübungen. Gelegentlich ist eine kurzzeitige Ruhigstellung mittels abnehmbarer Lagerungsschiene notwendig.

Bei beruflichen Tätigkeiten, die mit einem Kraftaufwand der Hände verbunden sind, muss nach der Operation mit einer Arbeitsunfähigkeit von 4 bis 6 Wochen gerechnet werden.

 

Tendovaginitis stenosans, Schnappfinger

Das Strecken eines Fingers (alle Finger können betroffen sein) wird von einem schmerzhaften „Schnappen“ begleitet. Ursache ist meist eine entzündliche oder überlastungsbedingte Verdickung der Beugesehne, die auf Höhe des Grundgelenkes nicht mehr reibungsfrei durch das Ringband (A1-Band) gleiten kann.

Therapeutisch kommen entzündungshemmende Medikamente und lokale Infiltrationen zum Einsatz.Auslösende Faktoren, z. B. Klavierspielen, handwerkliche Arbeiten, sollten vorübergehend vermieden werden.

In hartnäckigen Fällen erfolgt meist in Regionalanästhesie die ambulante Durchtrennung des Ringbandes unter Schonung der Sehne, sowie der parallel zur Sehne verlaufenden Gefäße und Nerven.

Eine postoperative Ruhigstellung ist nicht erforderlich.

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